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Ratgeber27. Oktober 2026· Redaktion: Mietluke Team

Streupflicht in Berlin, wer wann Schnee räumen muss und warum Salz tabu ist

Uhrzeiten, Räumbreite, Mieter oder Eigentümer, Salzverbot und Bußgeld. Die Berliner Regeln zum Winterdienst auf dem Gehweg verständlich erklärt, inklusive BGH Urteil von 2025.

Der erste Schnee in Berlin ist immer ein kleines Spektakel. Am Abend ist alles weiß und romantisch, die Kinder bauen Schneemänner aus dem, was am Gehweg liegt, und alle sind gut gelaunt. Am nächsten Morgen um sieben sieht die Sache anders aus. Da steht der Hausmeister mit Schaufel vor der Tür, der Nachbar fragt, wer heute eigentlich dran ist, und die Rentnerin von gegenüber balanciert mit Einkaufstrolley über eine Eisplatte. Damit du weißt, was du musst, was du darfst und was dich teuer zu stehen kommt, haben wir die Berliner Regeln zum Räumen und Streuen einmal sortiert.

Wer muss in Berlin Schnee räumen und streuen?

In Berlin regelt das Straßenreinigungsgesetz den Winterdienst auf Gehwegen. Verpflichtet sind die Anlieger. Das sind zuerst die Eigentümer von Grundstücken, die an einen öffentlichen Gehweg oder eine öffentliche Straße grenzen, außerdem Erbbauberechtigte, Nießbraucher und andere im Grundbuch eingetragene Berechtigte. Auch auf Privatstraßen und privaten Parkplätzen sind die Anlieger selbst zuständig.

Fahrbahnen, Radwege, Haltestellen von Bus und Tram und einige Plätze und Fußgängerzonen übernimmt die BSR. Den Gehweg vor deinem Haus übernimmt sie nicht. Der gehört, was den Winter angeht, ganz dir.

Muss der Mieter Schnee räumen?

Nur wenn es eindeutig im Mietvertrag steht oder in einer Hausordnung, auf die der Mietvertrag verweist. Ein Zettel im Treppenhaus mit einem Räumplan reicht dafür nicht, wenn er nirgends vertraglich vereinbart ist. Viele Vermieter beauftragen stattdessen einen Winterdienst und legen die Kosten über die Betriebskosten auf die Mieter um. Auch Nachbarn oder ein Dienstleister dürfen die Arbeit übernehmen.

Die Verantwortung wandert dabei aber nicht mit. Wer den Winterdienst abgibt, muss weiter kontrollieren, dass er auch gemacht wird. Der Bundesgerichtshof hat 2025 außerdem klargestellt, dass ein Vermieter gegenüber seinem Mieter haftet, wenn dieser auf einem nicht gestreuten Weg auf dem Grundstück stürzt, und zwar auch dann, wenn ein beauftragter Hausmeisterservice geschlampt hat. Die Fehler des Dienstleisters werden dem Vermieter in diesem Verhältnis zugerechnet (Urteil vom 6. August 2025, Aktenzeichen VIII ZR 250/23).

Wann muss man in Berlin Schnee räumen?

Die Berliner Regel ist schlicht und trotzdem gnadenlos. Glätte musst du unverzüglich bekämpfen, sobald sie entsteht. Schnee räumst du unverzüglich, sobald es aufgehört hat zu schneien. Als Ende gilt bereits, wenn der Schneefall deutlich nachlässt. Bei langem Dauerschnee musst du zwischendurch mehrfach ran.

Schneit es nach 20 Uhr oder wird es danach glatt, hast du etwas Luft. Dann muss der Gehweg montags bis samstags bis 7 Uhr am nächsten Morgen geräumt und gestreut sein, an Sonntagen und Feiertagen bis 9 Uhr. Die Zugänge zu den Mülltonnen müssen sogar schon um 6 Uhr frei sein, damit die Müllabfuhr nicht im Schnee stecken bleibt. Die offizielle Winterdienstsaison läuft vom 1. November bis zum 31. März. Wenn es im Oktober oder April glatt wird, gilt die Pflicht aber genauso.

WannBis wann geräumt und gestreut
Schnee oder Glätte tagsüberunverzüglich, bei Dauerschnee mehrfach
Schnee oder Glätte nach 20 Uhr, Montag bis Samstagbis 7 Uhr am nächsten Morgen
Schnee oder Glätte nach 20 Uhr vor Sonntagen und Feiertagenbis 9 Uhr am nächsten Morgen
Zugang zu den Mülltonnenbis 6 Uhr morgens

Wie breit muss der Gehweg geräumt werden?

Auf Gehwegen in Straßen der Reinigungsklassen 1 und 2 muss ein Streifen von mindestens 1,50 Metern frei sein, in allen anderen Straßen mindestens ein Meter. Ist der Gehweg schmaler, räumst du ihn eben komplett. In welcher Reinigungsklasse deine Straße liegt, steht im Berliner Straßenreinigungsverzeichnis. Im Zweifel hilft das Ordnungsamt deines Bezirks weiter.

Hydranten müssen frei bleiben, genauso wie die Wege zu Briefkästen, Notrufsäulen und Parkscheinautomaten. Den Schnee schiebst du an den Gehwegrand auf der Seite der Fahrbahn. Nicht in den Rinnstein, nicht auf Gullys, nicht in Einfahrten und Ausfahrten, nicht an Haltestellen, nicht auf Radwege und nicht auf Behindertenparkplätze. Und an Kreuzungen und Überwegen darf dein Schneeberg niemandem die Sicht nehmen. Wer einen Iglu bauen will, macht das bitte im eigenen Garten.

Ist Streusalz in Berlin verboten?

Ja, und zwar konsequent. Anlieger dürfen auf Gehwegen weder Salz noch andere Auftaumittel einsetzen. Salz schadet Straßenbäumen, Hundepfoten und dem Grundwasser, deshalb ist Berlin hier strenger als viele andere Städte. Erlaubt sind nur abstumpfende Streumittel wie Sand, Splitt oder Granulat. Nur die BSR darf auf bestimmten Fahrbahnen Feuchtsalz verwenden, das gilt ausdrücklich nicht für dich.

Bei Eisregen oder anhaltender Glätte reicht einmal Streuen oft nicht, dann musst du nachstreuen. Bei Dauerfrost, wenn sich eine feste Eisschicht gebildet hat, verlangt die BSR sogar mehr. Dann wird das Eis aufgebrochen, weggeräumt und erst danach gestreut. Klingt nach Arbeit, ist es auch. Ein stabiler Eiskratzer am Stiel gehört deshalb in jeden Berliner Hausflur.

Mit dem Streuwagen statt mit der Hand

Wer einen langen Gehweg, eine Hofeinfahrt oder einen Parkplatz streuen muss, wirft das Streugut nicht mehr per Hand aus dem Eimer. Unser Streuwagen fasst 35 Liter, verteilt Streugranulat gleichmäßig und lässt sich in der Streubreite von einem bis vier Metern einstellen. In Berlin bitte nur mit Sand, Splitt oder Granulat befüllen, nicht mit Salz. Das Streugut selbst ist nicht im Mietpreis enthalten.

Was passiert, wenn man nicht räumt?

Ein Verstoß gegen die Pflicht zum Räumen und Streuen ist in Berlin eine Ordnungswidrigkeit. Das Ordnungsamt kann eine Geldbuße von bis zu 10.000 Euro verhängen. Es kann außerdem anordnen, dass jemand anders auf deine Kosten räumt. Das ist aber nur die eine Seite.

Richtig teuer wird es, wenn jemand stürzt. Dann geht es um Behandlungskosten, Schmerzensgeld und schlimmstenfalls um ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung. Eine Haftpflichtversicherung hilft zwar oft, aber auf einen Prozess mit dem Nachbarn von gegenüber hat trotzdem niemand Lust. Fünfzehn Minuten mit der Schaufel sind dagegen ein Schnäppchen.

Wer körperlich oder wirtschaftlich nicht in der Lage ist, den Winterdienst selbst zu machen oder zu bezahlen, kann übrigens beim Ordnungsamt des Bezirks eine Befreiung beantragen. Das ist für ältere Menschen ohne Familie in der Nähe gedacht und lohnt sich, bevor der erste Schnee fällt.

Und was ist mit dem Splitt im Frühling?

Sobald der Winter vorbei ist, liegt auf dem Gehweg eine Schicht aus Splitt, Sand und Schmutz, die beim Laufen knirscht wie Müsli. Die muss natürlich wieder weg. Für große Flächen, Höfe und Parkplätze ist eine Kehrmaschine mit Benzinmotor und 80 Zentimetern Arbeitsbreite die Abkürzung. Sie fegt nasses Laub, groben Schmutz und auch leichten Schnee zur Seite und schafft bis zu 2.800 Quadratmeter pro Stunde. Damit ist der Hof sauber, bevor der Kaffee kalt ist.

Wenn du dein Grundstück vor dem Winter ohnehin fit machst, schau in unsere Checkliste für den winterfesten Garten. Streuwagen und Kehrmaschine kannst du bei uns tageweise mieten, in 12307 Berlin abholen oder liefern lassen. Und dann darf der erste Schnee kommen. Romantisch ist er schließlich immer noch, solange keiner auf dem Hosenboden landet.

Alle Angaben ohne Gewähr, Stand Oktober 2026. Maßgeblich sind das Berliner Straßenreinigungsgesetz und die Auskünfte deines Ordnungsamts.

Redaktion und Quellen

Verantwortlich für Inhalt und Aktualisierung: Mietluke Team.

Zu diesem Beitrag sind die unten aufgeführten Originalquellen hinterlegt. Eine zusätzliche namentliche Fachprüfung ist derzeit nicht dokumentiert.

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