Regenwasser sammeln mit Zisterne, Wasserkosten sparen in Berlin
Wasser wird in Berlin nicht günstiger. Der Kubikmeter Trinkwasser kostet aktuell 1,694 Euro Mengengebühr, dazu kommen 2,558 Euro Schmutzwassergebühr pro Kubikmeter und die oft übersehene Niederschlagswassergebühr von 1,797 Euro pro Quadratmeter versiegelter Fläche pro Jahr. Wer ein Einfamilienhaus mit 120 Quadratmeter Dachfläche und 40 Quadratmeter Einfahrt hat, zahlt allein für die Niederschlagswassergebühr knapp 287 Euro jährlich, nur weil Regenwasser in die Kanalisation fließt.
Eine Zisterne im Garten fängt das Wasser auf und nutzt es für Gartenbewässerung, Toilettenspülung oder Waschmaschine. Das spart Trinkwasser, senkt die Wasserrechnung und kann die Niederschlagswassergebühr teilweise oder komplett entfallen lassen.
Was bringt eine Zisterne finanziell?
Trinkwasser 1,694 Euro/m³ (Mengengebühr) plus Grundgebühr je nach Zählergröße
Schmutzwasser 2,558 Euro/m³
Niederschlagswasser 1,797 Euro/m² versiegelte Fläche/Jahr
Die Berliner Wasserpreise sind seit 2014 stabil. Der Senat hat im September 2025 beschlossen, auch für 2026 auf Teile des Gewinns der BWB zu verzichten, damit die Gebühren unverändert bleiben.
Rechenbeispiel 4-Personen-Haushalt
Regenwasser ersetzt ca. 40–50 m³ Trinkwasser/Jahr (Toilette + Waschmaschine)
Ersparnis Trinkwasser + Schmutzwasser, 40 m³ × (1,694 + 2,558) = ca. 170 Euro/Jahr
Wegfall Niederschlagswassergebühr (bei 120 m² Dach) bis zu 216 Euro/Jahr
Gesamtersparnis 200–350 Euro pro Jahr
Ein durchschnittlicher 4-Personen-Haushalt verbraucht rund 160 Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr. Davon entfallen etwa 27 Prozent auf die Toilettenspülung und 12 Prozent auf die Waschmaschine. Beides lässt sich problemlos mit gefiltertem Regenwasser ersetzen. Das sind 40 bis 50 Kubikmeter weniger Trinkwasser, die du nicht mehr bezahlen musst und für die auch keine Schmutzwassergebühr anfällt.
Dazu kommt der größere Hebel, die Niederschlagswassergebühr. Wenn dein Regenwasser nicht mehr in die Kanalisation fließt, sondern in einer Zisterne landet, kannst du bei den Berliner Wasserbetrieben eine Gebührenminderung beantragen. Je nach Zisternenvolumen und Dachfläche wird die anrechenbare versiegelte Fläche reduziert. Bei vollständiger Abkopplung vom Kanalnetz entfällt die Gebühr für diese Fläche komplett.
Was kostet eine Zisterne?
Die Kosten hängen von Größe und Material ab.
- Kunststoff-Zisterne 2.000–3.000 Liter, 800–1.200 Euro (nur Tank)
- Kunststoff-Zisterne 5.000–6.000 Liter, 1.500–2.500 Euro (nur Tank)
- Beton-Zisterne 5.000–10.000 Liter, 2.000–3.500 Euro (nur Tank)
Dazu kommen Anschlusszubehör wie Domschacht und Zulaufrohre (300–600 Euro), ein Regenwasserfilter (150–300 Euro) und eine Tauchdruckpumpe oder ein Hauswasserwerk (150–500 Euro). Für den Erdaushub fallen bei einer Fachfirma 30 bis 110 Euro pro Kubikmeter an.
Lässt du den Einbau komplett machen, rechne mit 4.500 bis 10.000 Euro Gesamtkosten. Baust du selbst ein, liegen die Materialkosten bei 2.500 bis 5.000 Euro. Die jährliche Wartung kostet rund 100 Euro für Filterreinigung und Pumpencheck.
Amortisation, wann rechnet sich die Zisterne?
Bei Eigeneinbau und Gesamtkosten von 3.500 Euro sowie einer jährlichen Ersparnis von 250 Euro hat sich die Anlage nach 14 Jahren amortisiert. Steigen die Wasserpreise (was nach über zehn Jahren Preisstabilität früher oder später passieren wird), verkürzt sich die Amortisationszeit. Eine Zisterne hält bei ordentlicher Wartung 30 bis 50 Jahre. Nach der Amortisation sparst du also noch Jahrzehnte lang bares Geld.
Zisterne selbst einbauen, Schritt für Schritt
Der Eigeneinbau ist machbar, wenn du die richtige Ausrüstung hast und sorgfältig arbeitest.
1. Standort wählen und Grube planen
Die Zisterne sollte möglichst nah am Fallrohr stehen. Plan die Baugrube so, Höhe der Zisterne plus 20 cm Kiesschicht unten, plus rundum mindestens 50 cm Abstand für die Verfüllung mit Kies.
2. Baugrube ausheben
Für eine 5.000-Liter-Zisterne musst du etwa 6 bis 8 Kubikmeter Erde bewegen. Per Hand dauert das bei typischem Berliner Boden (Sand-Lehm-Gemisch) mehrere Tage harte Arbeit. Mit einem Minibagger schaffst du den Aushub in 2 bis 3 Stunden. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch deinen Rücken. Beachte, der Aushub kann in der Regel nicht komplett zum Verfüllen wiederverwendet werden, da die Grube mit Kies aufgefüllt wird. Plane die Entsorgung des überschüssigen Erdreichs ein.
3. Kiesbett anlegen und verdichten
20 cm Rundkornkies (Körnung 4–8 mm) als ebene Schicht in die Grube einbringen. Mit einem Handstampfer sorgfältig verdichten. Das ist die stabile Basis, auf der die Zisterne steht.
4. Zisterne einsetzen
Kleinere Kunststofftanks bis 2.000 Liter können vier kräftige Personen in die Grube heben. Ab 3.000 Litern lohnt sich der Minibagger mit Hebeband. Sobald der Tank steht, zu einem Drittel mit Wasser füllen, damit er beim Verfüllen nicht aufschwimmt oder verrutscht.
5. Schichtweise verfüllen
Die Grube in Schichten von jeweils 20 bis 30 cm mit Kies auffüllen. Jede Schicht verdichten, bevor die nächste kommt. Bei Kunststoffzisternen kein schweres Verdichtungsgerät direkt am Tank verwenden.
6. Anschlüsse herstellen
Fallrohr vom Dach über einen Regenwasserfilter an den Zulauf der Zisterne anschließen. Überlauf an die Kanalisation oder eine Versickerungsmulde legen. Tauchpumpe einsetzen und Leitungen zu den Verbrauchern (Gartenhahn, Toilette, Waschmaschine) verlegen. Alle Leitungen müssen klar als Betriebswasserleitungen gekennzeichnet sein.
Genehmigung und Anmeldung in Berlin
Für eine Regenwasser-Zisterne im Garten brauchst du in Berlin keine Baugenehmigung. Wer das Regenwasser allerdings im Haus nutzen will (Toilette, Waschmaschine), muss die Anlage bei den Berliner Wasserbetrieben und beim zuständigen Gesundheitsamt anzeigen. Eine wasserbehördliche Erlaubnis ist dafür nicht nötig.
Wichtig, das Betriebswassersystem muss strikt vom Trinkwassernetz getrennt sein (nach DIN EN 1717). Entnahmestellen müssen mit dem Hinweis „Kein Trinkwasser“ gekennzeichnet werden.
Wer die Niederschlagswassergebühr reduzieren will, reicht bei den Berliner Wasserbetrieben einen Antrag auf Gebührenminderung ein. Dafür musst du nachweisen, dass dein Regenwasser nicht mehr in die Kanalisation gelangt.
Für welche Grundstücke lohnt es sich besonders?
Am meisten profitieren Eigentümer mit großer versiegelter Fläche, also Dachfläche plus Einfahrt plus Terrasse. Je mehr Quadratmeter in die Berechnung der Niederschlagswassergebühr einfließen, desto größer die Ersparnis. Auch für Berliner Kleingärtner, die hohe Wasserkosten für die Bewässerung zahlen, ist eine Zisterne eine sinnvolle Investition.
Häufige Fehler beim Zisterneneinbau
- Zu kleine Zisterne, in Berlin fallen im Durchschnitt 570 mm Niederschlag pro Jahr. Bei 100 m² Dachfläche sind das rund 45.000 Liter. Für reine Gartenbewässerung reichen 3.000 Liter. Für Toilette und Waschmaschine sollten es mindestens 5.000 Liter sein.
- Keinen Filter eingebaut, ohne Regenwasserfilter landen Laub, Sand und Pollen im Tank. Das führt zu Geruchsbildung und verstopft die Pumpe.
- Überlauf vergessen, bei Starkregen muss überschüssiges Wasser abfließen können. Ohne Überlauf steigt der Druck im System.
- Frostschutz ignoriert, Leitungen in Berlin frostsicher verlegen (mindestens 80 cm Tiefe) oder im Winter entleeren. Die Zisterne selbst liegt tief genug und friert normalerweise nicht durch.
- Rückstausicherung fehlt, wenn der Überlauf an die Kanalisation angeschlossen ist, muss eine Rückstauklappe eingebaut werden.
Passende Geräte findest du bei Mietluke
Du brauchst das Werkzeug nur für ein paar Tage. Kaufen lohnt sich nicht, mieten schon.
- Minibagger kompakt 1,7t für den Aushub der Zisternengrube an einem Tag
- Tieflöffel 600mm MS01 wenn du die Grube breit und sauber aushebst
- Profi-Schmutzwasser-Tauchpumpe falls Grundwasser in die Baugrube drückt
- Garten- und Saugpumpe 4000 l/h zum späteren Nutzen des Regenwassers im Garten
- Profi Rüttelplatte reversierbar für die Verdichtung der Kies-Tragschicht
- Kippanhänger 3,5t für den Abtransport des Erdaushubs
