Tiny Houses liegen voll im Trend. Bezahlbarer Wohnraum, minimalistisches Leben, weniger Fläche versiegeln. In Berlin und Brandenburg entstehen immer mehr Stellplätze und Tiny-House-Siedlungen. Aber bevor das Minihaus steht, muss eine Frage geklärt werden. Worauf steht es eigentlich?
Das Fundament entscheidet darüber, ob dein Tiny House stabil bleibt, keine Feuchtigkeit zieht und im Winter nicht vom Frost angehoben wird. Die gute Nachricht ist, dass du bei einem Tiny House mit 15 bis 30 Quadratmetern Grundfläche keine massive Gründung wie bei einem Einfamilienhaus brauchst. Die schlechte ist, dass es ganz ohne Fundament trotzdem nicht geht.
Vier Fundament-Typen für Tiny Houses
1. Punktfundament
Das Punktfundament ist der Klassiker für leichte Bauten. Du setzt einzelne Betonsockel an den tragenden Punkten, typischerweise sechs bis neun Stück je nach Grundfläche. Jeder Sockel nimmt einen Teil der Last auf und leitet sie in den Boden.
So gehst du vor. Für jeden Punkt ein Loch von 30 x 30 Zentimetern ausheben, mindestens 80 Zentimeter tief. Das ist wichtig, weil die Frostgrenze in Berlin bei etwa 80 cm liegt. Geht das Fundament nicht tief genug, hebt der Frost es im Winter an. Unten zehn Zentimeter Kies als Drainage einfüllen, dann Beton schichtweise einstampfen. Oben einen H-Anker oder eine Gewindestange einsetzen, solange der Beton frisch ist. Die Löcher bohrst du bei Berliner Sandboden am schnellsten mit einem Erdbohrer, bei Lehmboden oder tieferen Löchern lohnt sich die Zweimann-Variante.
Kosten liegen bei 300 bis 800 Euro Material für ein typisches Tiny House. Zeitaufwand ein bis zwei Tage Arbeit, plus eine Woche Aushärtezeit.
2. Schraubfundament
Schraubfundamente bestehen aus Stahlschrauben, die direkt in den Boden gedreht werden, ohne Aushub und ohne Beton. Die Schrauben sind zwischen einem und fünf Meter lang und halten durch die Reibung im Erdreich.
Der größte Vorteil ist, dass du keinen Boden versiegelst. Das macht Schraubfundamente besonders interessant für Naturgrundstücke und Gebiete mit strengen Auflagen. Außerdem lassen sich die Schrauben wieder herausdrehen, wenn du dein Tiny House irgendwann umsetzen willst.
Der Haken ist, dass das Eindrehen Spezialmaschinen erfordert. Professionelle Anbieter verlangen für sechs Schraubpfähle inklusive Montage rund 3.000 bis 4.500 Euro. Selbst eindrehen geht bei kürzeren Schrauben mit einem Erdbohrer, aber die Tragfähigkeit muss dann ein Statiker bestätigen.
3. Streifenfundament
Beim Streifenfundament gießt du durchgehende Betonstreifen unter den tragenden Wänden. Das verteilt die Last gleichmäßiger als Punktfundamente und eignet sich besonders für stationäre Tiny Houses, die dauerhaft an einem Ort bleiben.
Dafür hebst du Gräben von 30 bis 40 Zentimetern Breite und mindestens 80 Zentimetern Tiefe aus. Kiesschicht als Drainage, dann Bewehrungseisen einlegen und Beton einfüllen. Das Streifenfundament kostet mehr Material und Arbeit als Punktfundamente, ist aber deutlich stabiler bei schweren Holzkonstruktionen.
Kosten 1.500 bis 3.500 Euro Material für ein 25-Quadratmeter-Tiny-House. Zeitaufwand zwei bis drei Tage Erdarbeit, ein Tag Betonieren.
4. Bodenplatte
Die Bodenplatte ist die aufwändigste, aber auch stabilste Lösung. Eine durchgehende Stahlbetonplatte von 15 bis 20 Zentimetern Dicke verteilt das Gewicht großflächig. Sinnvoll bei weichem Boden oder wenn du unter dem Tiny House Leitungen verlegen willst.
Der Aufwand ist allerdings erheblich. Erdreich abtragen, Schotterschicht verdichten, Dämmung verlegen, Bewehrung einlegen, Beton gießen. Für ein Tiny House mit 25 Quadratmetern rechne mit 2.500 bis 4.000 Euro Materialkosten. Und du brauchst definitiv einen Betonmischer, von Hand geht das bei diesen Mengen nicht mehr.
Welches Fundament das richtige ist, hängt vom Boden ab. Lehmiger oder toniger Untergrund braucht stabilere Lösungen als sandiger Boden. Lass im Zweifel ein Bodengutachten machen, das kostet 500 bis 800 Euro und bewahrt dich vor teuren Überraschungen.
Genehmigung nicht vergessen
In Berlin und Brandenburg gilt, ein Tiny House zum dauerhaften Wohnen braucht eine Baugenehmigung, egal ob mit oder ohne Räder. Das hat das Verwaltungsgericht Berlin-Brandenburg mehrfach bestätigt. Auch mobile Tiny Houses gelten als bauliche Anlage, sobald sie länger als ein paar Wochen an einem Ort stehen.
In Brandenburg sind Wochenendhäuser unter 50 Quadratmetern und maximal vier Metern Höhe genehmigungsfrei, aber nur auf Grundstücken, die im Bebauungsplan als Wochenhausgebiet ausgewiesen sind. Auf normalen Wohngrundstücken führt kein Weg an der Baugenehmigung vorbei.
Klär die Genehmigungsfrage vor dem Fundamentbau. Ein Fundament ohne Baugenehmigung ist genauso illegal wie ein Haus ohne Genehmigung.
Praktische Tipps für den Selbstbau
- Alle Fundamentpunkte mit einer Schnur und Wasserwaage zueinander ausrichten. Nachträgliches Korrigieren bei Beton ist nicht möglich.
- Mindestens 80 Zentimeter tief gründen. Alles darüber liegt in der Frostzone und wird im Winter angehoben.
- Kiesschicht unter jedem Fundament als Drainage einplanen. Staunässe zerstört Beton auf Dauer.
- Bei Punktfundamenten die H-Anker sofort in den frischen Beton setzen und mit Stützen fixieren, bis alles ausgehärtet ist.
- Sieben Tage Aushärtezeit einhalten. Bei nassem Wetter lieber zehn Tage warten, bevor du weiter baust.
Die richtigen Maschinen machen den Unterschied
Fundamente für ein Tiny House sind machbar, aber nicht mit der Gartenschaufel. Für Punktfundamente brauchst du Löcher von 80 Zentimetern Tiefe. Das ist mit einem Spaten bei Berliner Sandboden vielleicht noch machbar, bei lehmigem Brandenburger Boden wird es zur Qual. Ein Erdbohrer erledigt ein Loch in unter fünf Minuten.
Bei Streifenfundamenten oder einer Bodenplatte kommt richtig Erdarbeit zusammen. Ein Minibagger spart dir Tage an Handarbeit. Und den Beton für sechs Punktfundamente oder eine kleine Bodenplatte mischst du am besten mit einem Betonmischer, gleichmäßig, in der richtigen Konsistenz, ohne dich dabei kaputt zu schaufeln.
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- Benzin-Erdbohrer Einmann für die Punktfundamente
- Benzin-Erdbohrer Profi Zweimann für tiefere Löcher oder harten Boden
- Minibagger kompakt 1,7t für Gräben beim Streifenfundament
- Profi Betonmischer 140L zum Anmischen der Beton-Portionen
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